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Mensch war das ein langes und schönes Wochenende...
Schon am Mittwoch Mittag kommen Lena und ich in Norddeich an und können
sofort unser Hotel beziehen. Dann geht es erst einmal zum Chinesen (Bauch vollschlagen) und danach ohne Drachen zur Drachenwiese hinterm Deich. Die Familie Mehler, sowie Marc nebst Anhang sind gerade mit dem
Abstecken des Wettkampffeldes fertig. Gutes Timing ;-) Der Wind weht um 20 km/h, also schönster Standard-Wind aber die Wettervorhersage für die nächsten Tage ist nicht gerade prickelnd. Mittlere
Windgeschwindigkeiten zwischen 25 und 35 km/h jeweils mit Böen bis 64 km/h. Da ist die Drachenauswahl eher beschränkt. Standard und Vented mehr dürfte wohl nicht nötig sein... Am Nachmittag bin ich dann
mit Lena, die an diesem Wochenende (genau ein Jahr nach dem Papas Debüt) ihren ersten Wettkampf fliegen will, mit Drachen wieder auf der Wiese. Der Wind hat inzwischen die 30 km/h erreicht. Wir fliegen Vented und
Super-Standard und gewöhnen uns schon einmal an die Bedingungen. Nebenher bauen wir auch noch das Moderationszelt auf.
Der Donnerstag ist für mich und Lena eigentlich ein reiner "Trainingstag" an
dem es hauptsächlich darum geht sich auf den konstant kräftigen Wind einzustellen. Das klappt immer besser. Beim Einführungsbriefing werde ich nochmals öffentlich als LDSDJ 2004 vorgestellt und bekomme eine
tolle Urkunde (die hängt jetzt schön geramt in meinem Büro) und einen sehr schönen Einleiner geschenkt. Meinen ersten. Es ist ein Tir Na Nog von Level One.
DANKESCHÖN !
Die geplante Reihenfolge der Wettbewerbe ist inzwischen hinfällig, da
von den Organisatoren die Zielsetzung, für jede Klasse unbedingt eine Wertung zu bekommen, ausgegeben wurde. Langweilig wird es nie, denn neben Linierichterdiensten und Crash-Crew-Einsätzen bin ich diesmal als
Pilotensprecher tätig. Natürlich gibt es seit langer Zeit genau heute wieder mal einen Grund für einen Protest. Also auch "Arbeit" für mich...
Beim Freestylecup (Vorrunde) kommt Lena das erste mal zum Einsatz. Sie
fliegt meinen V-Max-Vented mit Vorsegel und kann den Drachen kaum halten. Wenn Sie in die Powerzone fliegt, zieht der Drache sie mehrere Meter wie auf Schlittschuhen nach vorn über die Wiese. Sie kann sich
aber auf den Beinen halten. Bernhard kommt von hinten angerannt und hält sie fest. Ich stehe vorne und stelle den Drachen nach der Landung wieder auf. Sie fliegt sehr schön und beeindruckt die Jury mit ihrem
Mut sowie Kampfkraft und Körperbeherrschung. Trotzdem scheidet Sie mit 2:1 Richterstimmen (aus Gründen der Sicherheit) aus dem Wettbewerb aus.
Nach der Vorrunde des Freestylecup startet dann die
Experienced-Class mit der Präzision. Dieser Teil wird vorgezogen da die Bedingungen noch im Rahmen liegen und für den folgenden Tag Wind um 60km/h vorhergesagt ist. Kommen alle mit der Präzision durch, steht
wenigstens eine Wertung fest. Das Ballett soll eventuell morgen nachgeholt werden, sofern es die Bedingungen zulassen. Die aktuellen Bedingungen sind recht konstant (ob gut oder schlecht bleibt jedem selbst
überlassen). Der Wind weht um 35 km/h und ab und zu kommt eine ordentliche Böe dazu. Beim Briefing wird noch einmal der Wind gecheckt. Der angezeigte Schnitt von 21 wundert zunächst alle, bis jemand darauf kommt,
dass der Windmesser auf Knoten und nicht km/h eingestellt ist... Als Pflichtfiguren kommen heute Circle-over-Diamond, Split-Figure-Eight und Lap-and-Snap dran.
Na Super!!! Eine Zweipunktlandung in der Windfenstermitte bei diesem Wind wird lustig...
Diesmal habe ich viel Zeit, da ich erst als neunter von elf Startern an
der Reihe bin. Die Vorbereitungen sind auch schnell abgeschlossen. Außer dem Vented braucht man wirklich nichts aufzubauen. Alle haben in irgendeiner Figur mit den widrigen Bedingungen zu kämpfen. Sei es, dass eine
heftige Böe den Drachen stark beschleunigt oder die Landung bei der letzten Figur arge Probleme bereitet. Zwei Piloten rutschen auf der feuchten Wiese aus und liegen auf der Erde. Dann ist es endlich soweit und ich
darf aufs Feld. Ich weiß nicht woran es liegt, aber ich kann irgendwie keine rechte innere Spannung und Konzentration aufbauen. Kein Adrenalinschub oder Herzklopfen will sich einstellen. Ich komme mir vor wie beim
Training auf der Heimwiese. Der V-Max-Vented macht weniger Druck als erwartet. Daher lande ich noch einmal und lasse von Michael die Waage einen Knoten steiler stellen. Das Bremst ihn noch etwas ab. Dann ist die
Jury fertig und ich kann mit der ersten Figur beginnen. Aus dem Kreis komme ich etwas zu tief heraus und der Diamant ist unten nicht ganz geschlossen. Ansonsten bin ich mit der Figur zufrieden. Bei der
Split-Figure-Eight sieht es schon anders aus. Nach dem oberen Bogen trifft mich auf dem Abwärtsflug eine Böe. Dadurch beschleunigt der Drache stark und ich komme viel zu weit nach unten und muss an die Diagonale
quasi gleich den Bogen setzen um eine Bodenberührung zu vermeiden. Zusätzlich ist die Figur vermutlich leicht geschnitten... Ärgerlich!
In der Vorbereitung auf die Lap-and-Snap mache ich noch drei oder vier
Landungen, die alle recht passabel gelingen. Um die missglückte zweite Figur auszugleichen nehme ich mir vor, die Landung schön zu snappen um die in der zweiten Figur verlorenen Punkte wieder auszugleichen. Das geht
natürlich so richtig schief. Ich leite die Landung viel zu früh und radikal ein und der Drache liegt in ca. 1,5m Höhe sauber im Backflip. Natürlich bekommt er gleich wieder Druck unterm Segel und verdreht sich dabei
(für mich) unrettbar. Irgendwie setze ich ihn nach 5 Sekunden und 15 Meter Vorwärtsrennen schief mit der Leitkante/Nase voran auf und schreie ein frustriertes OUT. Ich hätte mal meinem ersten Impuls folgen
sollen und als der Drache so schön im Backflip lag eine Lazy zum Höhenverlust auslösen sollen. Weniger Punkte hätte ich dafür auch nicht bekommen aber es hätte einen höheren Spaßfaktor gehabt.
Relativ bald nach dem letzen Starter werden schon die Ergebnisse der
Präzision bekannt gegeben. Aber nur die Reihenfolge der Piloten. Es hat mich auf den siebten Platz verschlagen.
Abends beim Grillen sprechen wir noch viel über die Wettkämpfe, die
Bedingungen und die Ergebnisse. Bernhard telefoniert schließlich noch einmal mit Ilona und erfährt dabei, dass zwischen dem zweiten und achten Platz nur 2,6 Punkte Differenz bestehen. Da ist ja noch alles offen!
Jedenfalls sofern das Ballett noch geflogen wird.
Am nächsten Tag ist der Wind zunächst etwas ruhiger um 30 km/h. Jetzt
sind zunächst die Masters an der Reihe. Hier gehen nur 5 Piloten an den Start, da einige lieber zum parallel stattfindenden Trickflug-World-Cup nach Frankreich gefahren sind. Egal! Michael fliegt sehr schöne Figuren
und eine wirklich toll choreographierte technische Routine. Das bringt ihm nach der Präzision den zweiten Platz ein er ist somit “Best of the rest”! Matzel liegt, wie zu erwarten war, deutlich in Führung.
Dann entscheidet sich die Jury, die Junioren starten zu lassen. Also
baue ich schnell den Genesis Vented für Lena auf und verpasse ihm noch das größte Vorsegel sowie zwei kleine Gaze-Bremsen vom C21. Zusätzlich stelle ich die Waage noch etwas flacher, da der Wind inzwischen wieder
über 30 km/h liegt. Mit dem Drachen kommt Lena gut klar und kann ihn auch in den Böen ganz gut halten. Testweise versuchen wir es noch mit einem in die Schnur geknüpften Bremssegel, das wir von Thomas bekommen.
Dadurch wird der Zug noch einmal deutlich reduziert aber das Windfenster wird wirklich zu klein. Also wieder raus damit. Beim Briefing werden den Mädels noch einmal die Figuren erklärt und gesagt, dass sie nicht
unbedingt starten müssten, da der Wind eigentlich über dem Limit von 30 km/h liegt. Aber die beiden geben sich keine Blöße und wollen fliegen. Sicherheitshalber bekommt jede Starterin noch einen Erwachsenen als
"Bodyguard" mit aufs Feld, der sie bei starkem Wind festhalten soll. Leider haben sich nur zwei Junioren für den Wettbewerb angemeldet. Zunächst fliegt Madline mit dem Merlin schöne Figuren und ein
sicheres Ballett. Dann ist Lena an der Reihe. Ich bin total aufgeregt und bestimmt nervöser als meine achtjährige Tochter! Die fühlt sich anscheinend pudelwohl auf dem Feld und fliegt sich ein. Nebenbei schnackt sie
noch mit Bernhard (Fielddirector) und sieht total locker aus. Ich stehe drei Schritte hinter ihr, immer darauf gefasst gleich nach vorn zu springen und sie auf den Boden zurückzuholen... Als die Jury soweit ist,
lässt sie sich noch einmal von Bernhard die erste Figur erklären und legt dann los. Noch einmal das Windfenster ausloten und auf geht's. Das Rechteck ist als solches zu erkennen und das IN/OUT ist auch recht dicht
bei einander. Schön! Auch die nächsten beiden Figuren fliegt sie für die Bedingungen und ihre wenige Flugpraxis ganz toll. Papa ist ja soooo stolz! Vor dem Ballett misst Bernhard noch einmal den Wind. Die Böen
gehen bis an die 40km/h heran. Musik ab und Lena fliegt souverän das, was sie bei diesem Wind kann und geht kein übergroßes Risiko durch extremes Tieffliegen ein. Zum Abschluss passt die Leitkantenlandung perfekt
zur Musik und alles ist gut!
Liebe Lena, das hast Du wirklich toll gemacht!!!
Dann sind die Experienced-Piloten an der Reihe ihr Ballett zu fliegen.
Also baue ich den Genesis Vented wieder zurück und versuche mich zu konzentrieren. Da heute in umgekehrter Startreihenfolge gestartet wird, bin ich schon als dritter Starter dran. Ganz kurzfristig entscheide ich
mich noch eine andere Version meiner Musik einzusetzten. Der schnelle Mittelteil ist dabei etwas verlangsamt, was dem Genesis eigentlich entgegen kommen müsste. Diese Version habe ich erst am Vorabend unserer
Abreise gemixt und gebrannt und bin noch nicht dazu geflogen. Egal. Alles oder nichts. Also, es ist schon heftig bei dem Wind das Ballett zu fliegen. Nach 1:30 muss ich schon den Zugkräften Tribut zollen und
habe kaum noch die nötige Kraft den Drachen in die Tricks zu prügeln. Und dann bin ich bei einer Lazy nicht schnell genug und der Drache hakt mit einer Flügelspitze in die Schnur ein. Also muss ich die Lazy bis zum
Boden drehen lassen um den Drachen dort zu enttüdeln. Thomas, der mir die Crash-Crew macht, rennt schon zum Drachen, da habe ich ihn aber schon wieder frei und kann weiter fliegen. Jetzt stelle ich das Ballett
spontan um. Ich glaube nicht, dass ich jetzt bei diesen Bedingungen noch Backspinn und Jacobs Leddar fliegen kann und vertraue auf die guten Landeeigenschaften des Genesis. Also baue ich insgesamt vier verschiedene
Landungen ein, die alle wunderbar funktionieren. Ansonsten fliege ich fast nur noch “sauber und schön” und gehe kein großes Risiko mehr ein. Bis ich mich einmal verschätze und bei einer Wende mit einer Flügelspitze
einen guten Meter über den Boden streiche. Dafür gelingt noch ein schöner Groundpass 20cm über der Grasnarbe, ein Stopp und ein schöner Half-Axel sowie eine Lazy-Landung zum Abschluss. Trotz der beiden
Bodenberührungen (Ticks) bin ich einigermaßen zufrieden. Also Drachen abbauen und der Dinge harren, die da kommen.
Während Bernhards Setup-Zeit erwischt uns eine Mega-Böe mit über 70
km/h, die das Moderationszelt fast weg weht. Auf der Luv-Seite fliegen alle Heringe raus und wir müssen mit ca. 25 Leuten das Zelt festhalten. Ein Wohnmobil wird vor das Zelt gefahren und einige Abspannseile werden
an herangefahrenen Autos festgemacht. Nach 30 Minuten ist der Spuk vorbei. Das Zelt steht wieder fest und der Wind pendelt wieder zwischen 30 und 40 km/h. Grünes Licht für den Rest der Starter.
Als die Gesamtergebnisse bekannt gegeben werden, dauert es unerwartet
lange bis ich meinen Namen höre. Zweiter Platz - GENIAL!!! Das hätte ich nicht gedacht. Die gute Ballettwertung habe ich mindestens zu 50% dem Drachen zu verdanken. Der Vented läuft (genau wie die anderen Genesis)
einfach super gut und hat dabei ein sehr elegantes Flugbild! Auch Bernhard hat sich trotz eines Ticks um einige Plätze auf den vierten Rang verbessert.
Somit hat der Experienced Wettkampf für uns doch noch einen sehr erfolgreichen gelaufen.
Der Freestylecup wurde auch noch zu ende geflogen. Dort musste ich mich
im Halbfinale dem späteren Sieger Lothar Grolla geschlagen geben. Der Wind blies dabei mit bis zu 58km/h (von Bernhard auf dem Deich gemessen). Das hielten einige Drachen nicht aus und es gab mehrere Brüche von
Spreizen und Mittelkreuzen. Mein Genesis hat den Wind ohne zu Murren weg gesteckt.
Am Samstag fliegen die Masters und die Pairs ihr Ballett bei SUL- bis
UL-Wind! Michael flog ein sicheres Ballett und konnte seinen zweiten Platz vor Heiko verteidigen. Matzel flog mal wieder in einer eigenen Liga und gewann mit großem Vorsprung.
Bei den Pairs blieb die Reihenfolge auch unverändert. Allerdings gab es noch einen Aufreger beim Ballett von Bernhard und Michael.
Direkt vor dem Start (die Setup-Zeit war fast rum) checkte Lothar noch
einmal Bernhards High-Level SUL und knickte dabei die obere Spreize mittig durch. In alle Eile setzten wir dann die Spreize vom hinter uns liegenden UL in den SUL ein. Das Problem dabei war der größere Durchmesser
des Stabes. aber mit etwas Gewalt passte auch der 6mm (?) Stab in den 4,5mm APA-Verbinder hinein. Die Beiden ließen sich davon nicht beeindrucken und flogen ein souveränes Ballett und somit ihren zweiten Platz
nach Hause.
Anschließend frischte der Wind aber wieder so richtig auf und es
wurde auch feucht. Da kein weiterer Wettkampf für uns ansteht nutzten Lena und ich die Gelegenheit noch etwas anderes zu machen als Drachenfliegen. Wir besuchen das tolle Meerwasser-Hallenbad und verbringen dort
einen angenehmen Nachmittag.
Am abschließenden Sonntag finden keine Wettbewerbe mehr statt. Geflogen
wird trotzdem! Nachdem wir das Moderationszelt abgebaut und verpackt haben findet die Siegerehrung statt. Noch vor 12 Uhr sitzen fast alle in ihren Autos und sind auf dem Heimweg.
Es war ein tolles langes Wochenende und die Kaderschmiede-Nord hat mal wieder gut "abgeräumt".
Bei den Masters hat Michael den zweiten Platz belegt und mit Bernhard zusammen im Team ebenfalls nur das Pair M&M vorgelassen. Madline hat souverän die Juniorenwertung vor Lena gewonnen und Bernhard und ich
habe beim Experienced-Wettbewerb gut gepunktet. Leider hat Lothar Richter einen kleinen Aussetzer gehabt und ist nach seiner schönen Darbietung in der Novice-Class (ehemals Intermediates) beim Landen des Drachens
über Rot geflogen. Daher wurde er Disqualifiziert. Seine gezeigte Leistung hätte auf jeden Fall für einen Podestplatz gereicht.Wirklich schade!
Jetzt freuen wir uns (vor allem Bernhard und ich?) sehr auf Cuxhaven im
August. Dort wird sich endgültig entscheiden ob die Celler Drachen Wiese danach zur Masters-Wiese wird. Denn Bernhard und ich liegen weiterhin auf zwei Aufstiegsplätzen, sogar mit etwas Abstand zu Arne, der zur Zeit
auf dem vierten Platz liegt. Lothar Grolla hat den Wiederaufstieg in die Masters-Class schon in Norddeich fest gemacht. Er bräuchte gar nicht mehr anzutreten und würde mindestens auf dem dritten Platz der
Gesamtwertung landen. Herzlichen Glückwunsch! Aber sonst kann noch viel passieren und auch Sarah, die zur Zeit auf dem fünften Platz liegt, kann noch unter die ersten Drei fliegen und aufsteigen...
Experienced Gesamtwertung 2005 (Top 5) nach zwei von Drei Wettbewerben:
Pilot Malmsheim Norddeich Gesamt
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1. Lothar Grolla 10 10 20
2. Frank Enger 6 8 14
3. Bernhard Schaper 8 4 12
4. Arne Andersen 4 3 7
5. Sarah Heinze - 6 6
Auf nach Cuxhaven - Marsch Marsch !
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