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Aufrufe seit 17.01.04

2005-Malmsheim

Es ist noch dunkel als ich ins Auto steige und mich auf den Weg in den Süden mache.  Um kurz vor Acht bin ich bei Lothar in Hagen. Nach einem Kaffee und dem Umladen meiner Sachen in sein Auto, geht es gegen halb Neun los in Richtung Ländle. Wir kommen sagenhaft gut durch den Verkehr – keine Behinderungen oder Staus - und sind schon vor Zwei Uhr Mittags in Uhingen bei Level One. Dort erwartet uns eine guter Kaffee und Jens, der gerade noch einen Drachen für Carsten fertig baut. Nach einiger Zeit treffen dann auch weitere Mitglieder der „Level-One-Familie“ ein und wir fahren alle zusammen auf eine schön gelegene Wiese um noch etwas die Drachen in die Luft zu bringen.

Gegen 18:00 Uhr machen Lothar, Bernhard und ich uns dann auf die Letzte Etappe nach Malmsheim. Nach kurzer Besichtigung des Veranstaltungsortes fahren wir weiter zum Hotel wo Michael gerade eingecheckt hat. Gemeinsam gehen wir noch zum Italiener um die Ecke und gönnen uns hinterher noch ein Bierchen. Ich gehe recht früh zu Bett denn der Tag war lang und morgen geht’s zur Sache. Mein erster Wettkampf bei den Masters...

Das Wetter ist eigentlich prächtig.  Morgens um Acht finden wir auf dem Fluggelände einen sehr malerischen leichten Nebel, durch den die Sonne als helle Scheibe am Himmel zu sehen ist. Postergeeignet. Leider stehen die Windräder der Windmesser quasi still. Nach dem Judges-Briefing an dem ich zum ersten mal teilnehme findet das Piloten-Briefing statt. Die Wettbewerbe werden wegen Windmangel erst einmal verschoben.

Nach einigen Verschiebungen ist es dann soweit. Die Master sollen ihre Präzision fliegen. Der „Wind“ ist ständig unterhalb des Wind-Minimums von 4 km/h. Im Disziplinbriefing einigen wir uns einvernehmlich darauf die Windregel außer Kraft zu setzen. In einer anschließenden Pilotenrunde stimmen wir darüber ab was wir unter diesen Bedingungen fliegen wollen. Das Ergebnis ist, dass wir nur die Pflichtfiguren fliegen. An einen vernünftigen Freestyle ist zur Zeit nicht zu denken. Falls der Wind während der ersten fünf Starter doch noch auffrischen sollte, soll der Freestyle ab dem sechsten Piloten ganz normal geflogen werden. Die ersten fünf könnten ihn dann im Anschluss nachholen.

Dann geht es endlich los. Viele Drachen braucht man nicht. Ich baue meine SULs auf und warte darauf an die Reihe zu kommen. Durch den Verzicht auf den Freestyle geht alles sehr schnell. Vor mir startet als vierter Marcel und dann bin ich an der Reihe. Als ich aufs Feld gehe ist die Anspannung wie weggeblasen, von Nervosität keine Spur - ich fühle mich super! Lothar, der als mein Starthelfer fungiert, habe ich vor dem Hineingehen angekündigt, dass evtl. ein Drachentausch auf ihn zukommt. Ich habe zunächst den „normalen“ V-Max-SUL an den Leinen. Er fliegt ohne Eigenbewegung recht früh und scheint bei den herrschenden Bedingungen zu funktionieren.

Ich würde aber gerne meinen Mylar-SUL fliegen, da wir heute auch die „Stopps“ fliegen dürfen. Nach einer Trainingssitzung vor drei Wochen bei Bernhard und Lothar, bei der ich die Stopps mit dem Mylar-SUL nur grottenschlecht hinbekommen hatte, habe ich mich noch einmal ausführlich mit dem Drachen beschäftigt und eine Einstellung gefunden, bei der nun auch die Stopps bombensicher am Himmel stehen. Allerdings braucht er dafür die 4km/h Wind. Also lande ich den SUL wieder und gebe Lothar das Zeichen zum Drachenwechsel. Lothar bekommt das gut und schnell hin. Als ich den Mylar-SUL hochziehe merke ich sofort, dass er nicht genug Wind im Segel hat. Also lande ich ihn nach wenigen Sekunden wieder und bitte Lothar wieder den normalen SUL anzuknüpfen. Bei der ganzen Aktion lasse ich mir alle 30 Sekunden vom „Field“ die restliche Setupzeit ansagen und bin (zu meiner eigenen Verwunderung) die ganze Zeit kühl und abgeklärt. Der normale SUL ist wieder an den Leinen und lässt sich wesentlich besser kontrollieren. Dann kommt auch schon der Hinweis „Jury ist fertig!“ und ich kann anfangen. Als erstes ist das „Oktagon“ gefordert. Da ich, um etwas Druck im Segel zu haben, einige Schritte rückwärts gehen muss, versuche ich die Figur asymmetrisch (kleiner werdend) zu fliegen. Ich hoffe, dass es dann für die stehende Jury gleichmäßig aussieht, da ich mich ja während der Figur auf sie zubewege.

Die zweite Figur sind die Stopps. Auch sie gelingen mir recht gut. Die Aufwärtsgerade ist etwas schief und beim ersten Snapp-Stall slidet der Drache ca. anderthalb Meter nach außen. Zur dritten Figur, der „Split-Figure-Eight“ kann ich nicht sagen wie sie gelungen ist. Da musste ich mich mangels Wind sehr viel bewegen und habe versucht intuitiv zu fliegen.

Und das war es dann auch schon. Da immer noch kein Wind ist, wird der Freestyle nicht geflogen.

Den Restlichen Tag verbringe ich u.a. mit Starthelferdiensten bei Lothar, der seine Sache am Nachmittag bei den Experienced sehr gut macht. Mit neuem Drachen (er fliegt seit heute auch den Genesis) fliegt er ein sehr gelungenes neues Ballet mit einer wunderschönen 540er-Landung. Bemerkenswerte ist, dass der Wind zu beginn des Experienced-Wettkampfs auffrischt. Zwischenzeitlich werden Böen um 17 km/h gemessen - als Lothar fliegt ist bester UL Wind. Da die Experienced heute in Komplettbesetzung fliegen, zieht sich der Wettkampf bis in den späten Nachmittag. Jetzt lässt der Wind wieder schlagartig nach und die letzten Starter haben nun wieder nur einen Hauchwind, der um die Minimumgrenze pendelt.

Bei zwei Wettkämpfen bin ich heute zum ersten mal als Shadow-Judge eingeteilt. D.h. ich bewerte die Piloten, aber meine Wertungen gehen nicht in das Ergebnis ein. Ich finde, dass das jeder Pilot mal machen sollte. Es ist sehr spannend und macht mir viel Spaß.

Von den Pairs bekomme ich heute leider überhaupt nichts mit, dafür aber um so mehr von den Junioren und der Team-Präzision. Genau hier habe ich als Shadow gewirkt. Madline fliegt meiner Meinung nach die besten Figuren und das sauberste Ballett. Sogar eine Lazy baut sie passend mit ein. Damit gewinnt Sie ihren Wettkampf. Wenn ich mich nicht irre den fünften in Folge! Marlen und Julian sind auch sehr schön geflogen, leider hatten beide im Ballett ungewollten Bodenkontakt. Ich findes es schon beachtenswert was die Junionen in ihrem Alter schon drauf haben!

Nach einer anschließenden, ereignisreichen außerordentlichen Mitgliederversammlung, können wir endlich zum gemütlichen Teil des Abends kommen und den Grill anwerfen.

Inzwischen wurden die vorläufigen Ergebnisse aller heutigen Wettkämpfe bekannt gegeben. Bei den Pairs liegen Michael und Bernhard auf Platz 3, haben den zweitplazieren Nuff und Nunder aber eine Figur abgenommen!
Madline gewinnt, wie schon gesagt, die Junioren und Lothar liegt am Ende auf dem sechsten Platz. Damit ist er sehr zufrieden. Zwei Tage später wird das Ergebnis allerdings korrigiert, da bei einer Überprüfung der Daten ein Fehler gefunden wurde. Bei Lothar (nur bei ihm?) sind ungewollter Weise auch die Wertungen der Shadow-Judges mit in die Gesamtwertung eingegangen. Nachdem dieses korrigiert wurde, verbesserte sich Lothar auf Platz Vier!
Und bei den Masters gab es auch Überraschungen. Bernhard landete sensationell auf dem zweiten und ich knapp hinter Mathias auf dem vierten Platz. Michael liegt nur einen Punkt hinter mir auf Platz 5. Überlegener Gewinner ist (mal wieder) Marcel. Das ist eine gute Ausgangsposition für den zweiten Teil am Sonntag.

 

Am Sonntag passiert aber nicht mehr viel.

Beim Freestylecup reißt mir nach ca. 3 Sekunden die Schnur – das war’s.

Ansonsten ist es fast wie am Vortag, nur noch wärmer und noch weniger Wind: Alle Wettbewerbe werden zunächst wegen Windmangel verschoben und gegen Mittag dann endgültig abgesagt.

Da bei dem tollen, sommerlichen Wetter viele Besucher zum Drachenfest gekommen sind, wollen wir ihnen aber noch eine kleine Show bieten. Die Masters fliegen ihre Balletts, aber ohne Wertung. Ich komme halbwegs vernünftig durch, laufe mich aber zum Ende hin in einer Ecke fest und habe nicht mehr die Kraft mich durch einen 360er zu befreien. Also bringe ich die letzten Sekunden so zu Ende. Wenn ich mir anschaue was die Jungspunde wie Marcel, Mathias, Chris oder Carsten bei den Null-Wind-Bedingungen an Laufarbeit leisten, komme ich zu der Einsicht, dass ich wohl doch schon zu Alt für solche Aktionen bin. Entweder ich muss Konditionell wieder zulegen oder zumindest den Drachen noch No-Wind tauglicher machen. Klasse war es trotzdem. 

Später wurde behauptet, dass ein Bulldozer die von uns gelaufenen Gräben wieder zuschütten musste...

 

Alles in allem war es ein ganz tolles Wochenende. Leider war der Wind nicht auch in Malmsheim, um sich selbst davon zu überzeugen...