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Am Freitag Mittag komme ich auf dem Gelände in Altenbruch an. Die Fahrt
war so richtig klasse. Zweieinhalb Stunden für 100 km Weg... Aber was macht das schon? Ich bin da und es ist trocken.
Da ich seit dem DF in Norddeich nur zwei mal richtig zum Trainieren
gekommen bin, packe ich gleich die Drachentasche aus und suche mir ein freies Plätzchen auf dem Wettkampffeld. Es ist immer wieder schön an der Küste zu fliegen. Der Wind ist so „satt“, keine Verwirbelungen und
ähnliches stören. Aber es ist böig. Der Wind weht um 20 bis 25 km/h aber einige Böen haben es in sich. Da steht vermutlich eine vier vorne. Das Material hält und ich kann seit Mai endlich das erste mal mein Ballett
trainieren.
Nach 5 Durchgängen bin ich völlig platt aber ganz zufrieden, da ich bei
den letzten beiden gut durchgekommen bin. Nach einer Pause kann ich dann noch gerade 30 Minuten die Pflichtfiguren zu üben. Danach wird es sehr voll auf dem Feld und nur gegenseitige Rücksichtnahme macht das Fliegen
mit 15m Seitenabstand zum nächsten Piloten möglich.
Die guten Bedingungen ausnutzend, verbringe ich noch einige Zeit aktiv
auf der Wiese bevor ich mich mit anderen Piloten zum geselligen Tagesausklang zusammen finde.
Die Nacht im Auto ist nicht allzu lang, um 6 Uhr bin ich wach und eine
gewisse Anspannung kann ich nicht leugnen. Aber heute steht für mich auch einiges auf dem Spiel. Der Aufstieg in die Master-Class ist in greifbarer Nähe gerückt aber ich darf mir keinen groben Schnitzer leisten.
Nach einem kurzen, einfachen Frühstück mache ich einen kleinen Spaziergang um dann um halb Acht wieder mit dem Drachen auf dem Feld zu stehen. Der Wind scheint heute wechselhafter als gestern zu wehen. Die
Startreihenfolge steht schon seit gestern fest. Ich bin als siebter Starter an der Reihe. Das bedeutet, dass ich nach Wettkampfbeginn noch gut anderthalb Stunden Zeit haben und so gegen 12 Uhr fliegen werde. Wie der
Wind bis dahin entwickelt kann jetzt noch niemand wirklich vorhersehen.
Nach dem Briefing startet um 10:30 mit der erste Teilnehmer. Und genau
jetzt öffnet der Himmel seine Schleusen - es fängt an zu regnen. Aber zum Glück nur für gut 10 Minuten. Dann ist die Schauerwolke weg und die Sonne kommt langsam durch. Bei den ersten Startern gibt es massive
Probleme mit der Musik. Die Anlage hat immer wieder Aussetzer, sodass der Wettkampf unterbrochen wird. Sahra hatte besonders viel „Ruhe“ und darf das Ballett hinterher noch einmal fliegen. Etwas später ist die Musik
ganz weg und der Player erkennt keine CD mehr. Also sollen erst einmal nur die Pflichtfiguren geflogen werden. Es wird hektisch. Zum Glück findet jemand dann aber den Fehler: Das Stromaggregat läuft scheinbar nicht
auf voller Leistung... Endlich Entwarnung: der CD-Player wurde inzwischen durch Petzi’s Laptop ersetzt, alle Systeme funktionieren einwandfrei und der Wettkampf wird nun doch wie geplant durchgeführt.
Bernhard ist vor mir an der Reihe.
Welche Drachen (Standard oder Vented) er einsetzt realisiere ich gar nicht richtig. Ich versuche mich auf meinen Einsatz zu konzentrieren. Alles was ich von ihm mitbekomme ist, dass er ohne Absturz durchkommt.
Der Wind schwankt zwischen 20 und 35 km/h wobei er im Bodenbereich meist
nicht allzu stark bläst. Daher entscheide ich mich gegen den Vented und gehe mit dem Gelb/Schwarzen-Mehler-Max mit Vorsegel aufs Feld. Der Drache macht zwar viel Druck liegt aber satt im Wind und ich werde ihn daher
nicht wechseln. Geflogen werden heute folgende Figuren: Circle-Over-Diamond, Split-Figure-Eight und Launch-Circle-Land. Trotz des heftig ziehenden Drachens komme ich (aus meiner Sicht) sehr gut durch die Figuren.
Vor allem bei der gesplittete Acht bewege ich mich auf der Diagonalen diesmal auch weit nach rechts um das Schneiden (wie in Norddeich geschehen) zu vermeiden. Die Leitkantenlandung bei der letzen Figur klappt auch, der V-Max bleibt wie angenagelt auf der Leitkante liegen. OUT und gut!
Für das Ballett nehme ich den Genesis (Super)Standard mit Bikinis als
Bremse. Beim Einfliegen merke ich schon, dass er im oberen Bereich fliegt. D.h. der Wind muss um die 30 km/h liegen. Ein weiteres Indiz dafür ist dass ich ihn nicht im Zenith gewickelt bekomme. Also werde ich das
„Standardprogramm“ fliegen.
Musik ab und los. Das erste Drittel verläuft ohne Probleme. Dann die erste Landung...
Der Wind ist auch in Bodennähe heftiger als ich dachte und nach dem (harten) Aufsetzen springt der Drache gleich wieder etwas hoch und bekommt Wind. Bei den nächsten beiden Landungen geht es nicht besser. Bei
der ersten bekomme ich den Druck und die Geschwindigkeit beim Anflug nicht rechtzeitig heraus. Mein Fehler ist, dass ich den Drachen in der Windfenstermitte landen will. Die Landung misslingt und er liegt auf
der Leitkante. Das Herumdrehen mach auf dem harten, glatten Boden etwas Probleme. Bei der Folgenden Landung habe ich schon eine Änderung im Kopf, ich will nicht landen, sondern den Drachen kurz vor dem Boden wieder
hoch ziehen. Aber die Kraft (und somit auch die Konzentration) ist irgendwie nicht voll da und ich leite den Turn etwas zu spät ein. Der Drache bleibt mit einer Flügelspitze am Boden hängen und liegt auf mit der
Leitkante auf selbigem. Ich habe wieder einige Probleme den Drachen aufzurichten. Er rutscht einige Meter über den Boden bevor er endlich Halt findet. Dafür gelingen die restlichen Minuten für diese Bedingungen
recht gut. Die noch folgenden Tricks wie Backspinn, Jakobs L., 540er, Slotmachine, verschiedene Lazys und anderes mehr gehen auch bei dem heftigen Wind gut und zum Abschluss zeige ich dass ich auch eine
Zweipunktlandung (inkl. Lazy) hinbekomme. Ende gut alles gut!? Das sollte es gewesen sein! Ich bin zuversichtlich unter die ersten 6 geflogen zu sein. Aber man kann ja nie wissen... Gerade bei den Figuren verschätzt
man sich ja doch schon einmal.
Die Zeit bis zum Ende des Wettkampfes verbringe ich mit
Dracheneinpacken. Danach gehe ich erst einmal nach vorne zur Fressmeile und gönne mir ein gegrilltes Nackensteak mit Pommes und ein Bier! Rechtzeitig zur Verkündung der Ergebnisse bin ich wieder bei den
Wettkampffeldern. Dritter Platz! Ich freue riesig!
Ein Blick auf die Ergebnisliste zeigt mir einen minimalen Abstand zum Zweiten (Thomas Kenn) von knapp zwei Zehntel Punkten. Knapp!
Na ja, eigentlich egal. Aber hätte ich die Landungen im Ballett wie
gewohnt hinbekommen hätte ich (berechtigter Weise) keinen Tick
und den damit verbundenen Punktabzug erhalten. Das hätte schon gereicht um 2 Zehntel im Endergebnis mehr zu haben. Am Gesamtergebnis der KCT 2005 ändert sich dadurch für mich auch nichts. Als zweiter der Gesamtwertung steige ich in die Master-Class auf.
Das soll jetzt nicht pathetisch klingen, aber für mich ist ein Traum in
Erfüllung gegangen. Mein großer Wunsch war es von Anfang an (also vor genau zwei Jahren, als ich hier in Cux zum ersten mal die Masters sah) gewesen, einmal bei den Masters mitfliegen zu können. Das mir dieses so
schnell, nämlich nur 15 Monate nach meinem Einstieg in die Intermediate-Class (jetzt heißt sie Novice-Class) gelungen ist, kann ich noch gar nicht richtig begreifen. Vermutlich wird mir das erst wirklich bewusst
wenn ich Malmsheim aufs Feld gehe und vor mir gerade Marcel, Matthias oder Michael geflogen ist .
Für die Anderen Piloten der „Kaderschmiede Nord“ war es ebenfalls ein
gelungener Wettkampf. Lothar Richter verpasste das Treppchen nur ganz knapp und landete in der Novice-Class auf Platz 4. Er wird ab jetzt in der Experienced-Class starten. Bernhard Schaper wurde fünfter, genau wie
Michael bei den Masters. Damit belegt Bernhard den dritten Platz in der Gesamtwertung und fliegt nächste Saison ebenfalls bei den Masters.
Lothar Grolla stand schon vor dem Wettkampf als Aufsteiger fest und hat
dies mit dem dritten Sieg im dritten Wettbewerb eindrucksvoll bestätigt. Er war in allen Wettbewerben der Beste und wurde somit verdient Deutscher Meister 2005
Gleiches gilt für Marcel Mehler, der ebenfalls alle Wettkämpfe souverän
gewonnen hat und damit zum dritten mal hintereinander die Meisterschaft bei den Masters gewonnen hat! RESPEKT!!! Matzels Ballett war zudem jenseits von Gut un Böse, was auch durch die 94er (!!!) Wertung
bestätigt wird.
Wenn ich richtig gerechnet habe, hat es für Michael sogar zum Deutschen
Vizemeistertitel bei den Masters gereicht! Damit hätte er sich dann gleichzeitig für den Eurocup 2005 in Cervia qualifiziert! Wenn ihm das einer vor einem Jahr gesagt hätte ...
Jetzt heißt es für uns alle fleissig trainieren um das eigene
Niveau weiter zu verbessern. Das gilt besonders für Bernhard und mich. Denn in die Master-Class hinein zukommen ist eine Sache, drin zu bleiben eine ganz andere!
Ich freue mich schon auf den 08. und 09.Oktober in Malmsheim...
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