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Aufrufe seit 17.01.04

2004-Melle

Mit etwas Verspätung bin ich nun dazu gekommen, meine Eindrücke vom letzten Wettkampf der Kite-Challenge-Tour 2004, dem Coca-Cola-Cup in Melle, 'auf Papier' zu bringen.

Samstag um 09:00 bin ich auf dem Drachenfest. Beim morgendlichen Briefing wird noch einmal der Wettkampfplan vorgestellt: Die Intermediates sollen den ersten Tag abschließen. Geplanter Start 16:00 Uhr. Also ist noch viel Zeit. Der Wind bewegt sich an der unteren Windgrenze. So 3-5km/h im Durchschnitt. Stellenweise sind auch Böen um 7km/h vertreten. Neben Starthelferdiensten bei Michael, beschäftige ich mich ausschließlich mit meinen SUL-Drachen. Die waren auch schon lange nicht mehr an den Leinen gewesen. Die Wettbewerbe 'quälen' sich so dahin, da immer wieder wegen Flaute eine Pause eingeschoben werden muss. Schließlich wird um kurz nach 15 Uhr der gesamte Wettkampf mangels Wind abgebrochen.

Der Abend ist ganz lustig und viele Zweileiner-Piloten machen ihre ersten Erfahrungen mit Einleinerdrachen, die beim Nachtfliegen an den Zuschauermassen (es waren wohl wirklich einige tausend) vorbeigezogen wurden. Viele der Einleiner hatten Pyrotechnik angebunden. Es sah wirklich sehr schön aus.

Am Sonntag Morgen ist wieder Flaute. Dann kommt aber doch noch ein Hauchwind auf. Die Junioren sind beeindruckend selbstbewusst und wollen, egal bei welchem Wind, auf jeden Fall ihren Wettbewerb fliegen. Stark! Und sie haben das in beindruckender Weise durchgezogen!

Wir Intermediates haben uns auf Folgendes geeinigt. Wir fliegen auf jeden Fall auch bei Null-Wind. Sollten mindestens zwei Piloten mit ihrem Ballett (mangels Wind) nicht durchkommen, so wird die Ballett-Wertung für alle Starter gestrichen und es zählt nur die Präzisionswertung. Das ist ein für alle fairer Kompromiss. Aber es sollte ganz anders kommen...

Kurz vor unserem Briefing zog eine Schlechtwetterfront auf und der Himmel öffnete seine Schleusen. Es regnete recht heftig.

Dazu fing es auch noch an zu gewittern. Also wurde der Wettkampf erstmal auf 13:00 Uhr verschoben. Da hatte es dann auch aufgehört zu regnen. Donner und Blitze gab es auch nicht mehr. Gegen 13:30 konnten wir dann bei Wind von 7-10 km/h starten. Diesmal war ich auf Startplatz vier. Theoretisch hätte ich noch Chancen auf den Gesamtsieg der KCT gehabt. Aber dafür hätte Arne Andersen nicht antreten dürfen oder hätte disqualifiziert werden müssen. Arne flog als erstes und kam sehr gut durch. Damit ging es für mich noch darum den zweiten Platz zu verteidigen.

Der Wind spielt jetzt wieder eine tragende Rolle. Während die ersten beiden Starter noch mit SUL und UL Drachen fliegen können, frischt der Wind beim 3. Starter (Stefan Schneider) schon merklich auf. Sein Styx-UL hält genau das Ballett durch.

Als er den Drachen nach dem "OUT" aus dem Feld fliegen will, will der Drache nicht mehr. Ich glaube das Mittelkreuz ist gebrochen. Während des Balletts von Stefan habe ich dann noch in aller Eile meine Standard-Drachen aufgebaut.

Als ich aufs Feld gehe versuche ich es zunächst mit dem High-Level UL für die Präzision. Aber nach zwei Sekunden ist klar, dass er beim vorherrschenden Wind völlig überpowert. Also schnell landen und den Standard anknüpfen lassen. (Danke Heiko und Michael für die gute Arbeit!)

Die Präzision besteht heute aus "Jump", "Lap and Snap" und "Lauch Circle an Land".
Der Jump gelingt mir gut, beim Lap and Snap versaue ich die Landung total. Der Wind wurde stärker und der Drache immer schneller. Da hab ich zu spät zur Landung angesetzt und statt einer Zweipunktlandung den Drachen auf der Leitkante aufgesetzt.

Die dritte Figur gelingt dann wieder ganz gut. Vor allem habe ich das Glück, dass der Drache bei der Bauchlandung, trotz des Windes ruhig liegen bleibt. Meine beiden Starthelfer haben mir inzwischen auch den C21-Standard an die ausgelegten Leinen geknüpft. Als ich den HL lande merke ich nicht, dass ich ihn genau über die Schnüre vom C21 gelegt habe.

Als ich diese aufnehme, vertüdern sich die beiden Leinensätze miteinander. Die nächsten 30 Sekunden sind Michael und ich damit beschäftigt die Leinen frei zu bekommen. Uncool! Endlich kann ich den C21 hochziehen. Der Field-Director gibt mir schon den 20 Sekunden-Hinweis, da habe ich den C21 gerade einmal von links nach rechts geflogen.  Ich lasse einen Windcheck machen mit dem Ergebnis, dass der um die 25 km/h beträgt. Jetzt wäre eigentlich das Vorsegel nötig, aber ich muss landen und die Musik startet. Ein leichter Zug an den Leinen und mein Drache schießt wie eine Rakete nach oben in den Zenit. Na toll, ich hab sofort zwei Takte gutgemacht und dadurch zunächst einmal etwas aus dem Konzept. Der Drache fliegt irre schnell. Viel zu schnell. Und stallen lässt er sich auch nicht richtig. Die nächsten dreieinhalb Minuten fliege ich einen ziemlichen Mist zusammen - finde ich jedenfalls und einige andere auch. Aber ich habe echt mit dem Drachen zu kämpfen und einige Tricks gehen gescheit daneben.

Auch die abschließende Landung ist so richtig dahingeeiert. Aus und Vorbei. Das war wohl nichts mit einer Treppchen-Platzierung.

Von den nachfolgenden Startern bekomme ich wegen des Drachenabbaus wieder nicht viel mit. Bei Abbau des C21-Standard fällt mir dann die Waage-Einstellung auf. Zwei Knoten von meiner normalen Standardeinstellung entfernt. Das hätte mir beim Aufbau auffallen müssen. Aber wegen der Eile habe ich es einfach übersehen. Jetzt ist mir das absonderliche Flugverhalten des Drachens auch klar!

Nach einer kleinen Frustpause habe ich dann damit begonnen meine sieben Sachen ins Auto zu packen. Auf dem Weg dorthin bekomme ich die Ergebnisdurchsage mit und verstehe, dass ich auf dem dritten Platz gelandet sei. SUPER! Aber da müssen die anderen auch noch "gepatzt" haben. Aber es ist wohl wirklich nicht leicht seine eigene Leistung objektiv einzuschätzen, gerade weil man ja weiß, was man eigentlich fliegen wollte. Das wissen die Zuschauer aber i.d.R. nicht. Und das ist auch gut so!

Auswertungen gibt es heute wegen eines Druckerschadens leider nicht. Ich hätte schon gerne gewusst, wie ich in Präzision und Ballet bewertet worden bin.

Die Siegerehrung fand dann auf der Moderationsbühne des Drachenfestes statt. Als die Intermediates geehrt werden, sind wir (Arne, Stefan und ich) unten an der Treppe zur Bühne zusammen gestanden. Als der dritte Platz ausgerufen wird, will ich rauf gehen aber was ist das? Ich heiße nicht Stefan Schneider! Überrascht schaue ich die anderen an. Da habe ich vorhin beim Einpacken die Durchsage wohl nicht richtig verstanden. Na schön, dann freue ich mich eben über meinen erneuten zweiten Platz um so mehr. Arne bringt gleich den Spruch vom "ewigen Zweiten". Aber damit kann ich in meiner ersten KCT, die ich dann auch noch in der Gesamtwertung auf dem zweiten Platz abschließe, gut leben!

Herzlichen Glückwunsch an Arne, der die letzten drei Wettbewerbe gewonnen hat und verdient National-Champion geworden ist.

Im nächsten Jahr (also in 6 Wochen in Malmsheim) versuchen wir (Arne, Stefan, Sarah, Jürgen, Mirco und ich) unser Glück dann in der Experienced-Klasse!  Platz da - wir kommen ;-)))